Liebe am Arbeitsplatz – die Do’s und Don’ts!

 

 

Eine Liebelei am Arbeitsplatz ist gar nicht so selten, wie man vielleicht denkt: Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zufolge, haben sich fast 25 Prozent der Befragten schon mindestens ein Mal in einen Kollegen oder eine Kollegin verliebt. 

 

Liebe am Arbeitsplatz: Es funkt häufiger, als man denkt

 

Tatsächlich kommt es häufiger vor, dass sich Kollegen[1] ineinander verlieben, oder eine Beziehung miteinander anfangen. Die Zahlen dazu gehen allerdings etwas auseinander: Während die Jobsuchmaschine Jobrapido davon spricht, dass bereits jeder dritte Arbeitnehmer in seinem Berufsleben eine Beziehung zu einem Kollegen hatte, sind die Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Gewis etwas zurückhaltender: Hier gibt nur jeder fünfte befragte Berufstätige an, eine Beziehung am Arbeitsplatz geführt zu haben. Bei den Kollegen von Ifak ist es sogar nur jeder Zehnte.

Daher sind auch prominente Paare vor der Liebe am Arbeitsplatz nicht gefeit: Gerhard Schröder kam bei einem Interview mit seiner späteren Ehefrau, der Journalistin Doris Schröder-Köpf, nicht nur beruflich ins Gespräch. Und der Kaiser Franz Beckenbauer heiratete nicht nur eine, sondern gleich zwei seiner Sekretärinnen – nacheinander versteht sich.

 

Was tun, wenn’s funkt?

 

Egal welche Zahlen nun stimmen, Liebe am Arbeitsplatz ist mehr als ein Randphänomen. Gut also, wer sich auch als frisch verliebtes Paar richtig zu verhalten weiß, denn übertriebenes verliebtes Getuschel und Geplänkel kann nicht nur die Kollegen stören, es kann auch ernste arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

 

Liebe am Arbeitsplatz kann die Produktivität steigern

 

Daneben sind Paare in einigen Unternehmen aber auch gerne gesehen. Wer seinen Partner direkt mit im Büro hat, ist eher dazu bereit, Überstunden zu machen – schließlich hat man die Person, zu der man unter anderen Umständen nachhause kommen möchte, am Arbeitsplatz dabei. Außerdem zeigen sich Mitarbeiter, die mit einem anderen Mitarbeiter im Unternehmen verbandelt sind, auch während der regulären Arbeitszeit motivierter.

Aber nicht nur das: Frauen und Männer, die in einem gemischten Team arbeiten, scheinen kreativer und produktiver zu sein als Arbeitnehmer, die in einem homogenen Arbeitsumfeld tätig sind. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Goethe-Universität in Frankfurt[2]. Es gibt Hinweise darauf, dass Arbeitnehmer in einem gemischten Umfeld das jeweils andere Geschlecht beeindrucken möchten und dazu ihre positiven Eigenschaften besonders hervorkehren.Ist einer der Arbeitnehmer, oder gleich mehrere, dann noch verliebt, verstärkt sich dieser Effekt.

Kurzum: Verliebtsein am Arbeitsplatz kann auch zur Produktivität beitragen, sofern sich das frisch verliebte Liebespaar nicht zu sehr auf sich selbst konzentriert.

 

Nicht alle Unternehmen sehen Liebe am Arbeitsplatz positiv

 

Bei so vielen positiven Effekten könnte man nun zu dem Schluss kommen, dass die Arbeitgeber durchaus ein Interesse daran haben könnten, Beziehungen unter ihren Mitarbeitern zu fördern und zu unterstützten.

Das ist aber nicht überall der Fall. In den USA beispielsweise gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die Beziehungen unter den Arbeitnehmern sogar verbieten. Nicht wenige Arbeitsverträge erhalten dort einen sogenannten Code of Conduct. Das sind klare Regelungen und Vorschriften darüber, wie sich die Mitarbeiter zu verhalten haben – und die können sogar auch das Privatleben der Angestellten betreffen.

Das gilt übriges nicht nur für amerikanische Firmen, sondern auch für ausländische Unternehmen, die in den USA am Aktienmarkt tätig sein möchten. Auch diese müssen vorab konkrete Regelungen über die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander formulieren.

Wenn Sie nun denken, dass Sie als Arbeitnehmer in Deutschland davon nicht betroffen sind, liegen Sie nur teilweise richtig. Der Textilriese Wal-Mart wollte im Jahr 2005 seinen Ethik-Katalog auch auf die deutschen Mitarbeiter übertragen und ihnen verbieten, mehr als ein professionelles Verhältnis untereinander zu pflegen.

Diese Vorschrift war und ist aber mit dem deutschen Recht unvereinbar.

 

Keine Rechtsgrundlage für Verbote

 

Ein generelles Verbot der Liebe am Arbeitsplatz ist in Deutschland nicht möglich. Ganz einfach deshalb, weil hierfür die Rechtsgrundlage fehlt. Was Arbeitnehmer in ihrer Freizeit und in ihrem Privatleben tun, geht den Arbeitgeber nichts an.

Sollten Arbeitgeber das trotzdem versuchen, können sich Arbeitnehmer auf das Grundgesetz der BRD berufen: Hier ist die Freiheit und der Schutz des Persönlichkeitsrechts geregelt.

Gleichwohl muss der Arbeitgeber nicht tatenlos dabei zusehen, wenn seine Angestellten lieber turteln, als zu arbeiten.

 

Liebe am Arbeitsplatz sollte nicht das bestimmende Thema sein

 

Wenn sich verliebte Mitarbeiter nur noch auf sich selbst konzentrieren, hat der Arbeitgeber sehr wohl die Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen. Denn die Mitarbeiter werden dafür bezahlt, dass sie ihre Arbeitskraft dem Unternehmen zur Verfügung stellen. Führt die rosarote Brille dazu, dass es zu einem deutlichen Abfall in der Leistung kommt, kann das Grund für eine Abmahnung sein.

Sollte es dem Arbeitgeber zu bunt werden, kann er außerdem die Abläufe in der Arbeitsorganisation ein klein wenig abändern und so die Turteltäubchen voneinander trennen. Das darf allerdings nicht so weit führen, dass sich die Bedingungen für einen oder gar beide Mitarbeiter verschlechtern. Sollte das so sein, haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, dagegen vorzugehen.

 

Vorsicht bei asymmetrischen Beziehungen am Arbeitsplatz

 

Bisher haben wir nur die Fälle betrachtet, in denen sich zwei gleichgestellte Kollegen ineinander verlieben und vielleicht auch eine Beziehung miteinander anfangen.

Es gibt aber auch den Fall, dass sich der oder die Vorgesetzte in einen untergeordneten Mitarbeiter verliebt – oder umgekehrt. In solchen Beziehungen ist besondere Vorsicht geboten, denn beispielsweise in der Konstellation Ausbilder-Auszubildende spielt auch die Fürsorgelicht eine besondere Rolle.

 

Zurückhaltung ist der erste Gebot

 

Grundsätzlich sollten Verliebte am Arbeitsplatz versuchen, die anderen Arbeitnehmer mit ihrem Verhalten nicht zu belästigen.

Körperkontakt während der Arbeitszeit sollte daher in jedem Fall unterlassen werden. Das gilt besonders dann, wenn außer den Kollegen auch Kunden Zugang zum Unternehmen haben.

Auch eindeutige Signale wie Küsschen zuwerfen oder Augenzwinkern gehören nicht an den Arbeitsplatz.

Damit nicht sofort das gesamte Unternehmen von der neuen Beziehung Wind bekommt, sollten Verliebte darauf achten, die Mittagspause wenigstens hin und wieder auch mit anderen Kollegen zu verbringen.

Es ist leider auch schon vorgekommen, dass die anderen Mitarbeiter nicht allzu positiv auf eine neue Liebe am Arbeitsplatz reagieren. Bevor es daher zu Lästereien oder gar Mobbing kommt, sollte man die Sache langsam angehen lassen.


[1] [1] Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, verwenden wir im Text nur die männliche Form. Die Ausführungen und Angaben sind aber nicht geschlechtsspezifisch gemeint, sondern beziehen sich auf Angehörige beider Geschlechter.

[2] https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/sind-maenner-in-teams-mit-frauen-produktiver/

 

Fotoquelle: Fotolia, Urheber: drubig-photo

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