So führt man erfolgreich Gehaltsverhandlungen

 

 

 

Die Wirtschaft in Deutschland boomt. Das heißt aber leider noch lange nicht, dass auch die Arbeitnehmer[1] unmittelbar davon profitieren. Natürlich ist es im Interesse der gesamten Belegschaft, wenn es dem Unternehmen gut geht und alles rund läuft, aber man selbst möchte doch auch gerne etwas von dem Kuchen abhaben, oder?

Wie bringt man also seinen Chef dazu, beim Gehalt noch eine Schippe drauf zu packen? Wir haben die Tipps.

Die Vorbereitung muss stimmen

Wenn Sie unvorbereitet in eine Gehaltsverhandlung mit Ihrem Chef gehen, haben Sie bereits verloren, denn unsicheres Gestammel wird keinen Vorgesetzten dazu bringen, Ihnen mehr Geld zu geben.

Investieren Sie also vorab Zeit in die Recherche und klären Sie folgende Fragen, damit Sie in der späteren Gehaltsverhandlung mit Fakten überzeugen können:

 • Wo liegen die üblichen Gehälter in Ihrer Branche bei Mitarbeitern mit der gleichen Berufserfahrung und der gleichen Ausbildung oder Studium? Nennen Sie, wenn möglich, Beispiele oder legen Sie Studien vor. Je konkreter Ihre Informationen sind, umso weniger Spielraum lassen Sie ihrem Vorgesetzten, um auszuweichen.

• Wie schätzen Sie ihre eigene Leistung ein? Bleiben Sie dabei bitte möglichst objektiv. Nennen Sie konkrete Errungenschaften Ihrerseits. Haben Sie vielleicht in Ihrer Freizeit Fortbildungen besucht, wie viele Überstunden haben Sie im letzten Jahr angesammelt, oder haben Sie durch einen Verbesserungsvorschlag dem Unternehmen vielleicht sogar Geld gespart? All das gehört zu einer sorgfältigen Vorbereitung dazu und sollte in der Gehaltsverhandlung in jedem Fall zur Sprache kommen.

• Nennen Sie konkrete Zahlen. Zu einer guten Vorbereitung zählt auch, dass Sie genau wissen, was Sie verdienen möchten. Haben Sie daher entweder eine präzise Summe oder eine Prozentangabe bereit, die Sie ihrem Vorgesetzten nennen können.

• Seien Sie auf Gegenvorschläge vorbereitet. Nur in den seltensten Fällen wird Ihre erste Forderung bei einer Gehaltsverhandlung sofort von dem Vorgesetzten akzeptiert werden. In der Regel wird er eher versuchen, die Personalkosten für das Unternehmen so gering wie möglich zu halten. Dass Ihre erste Gehaltsforderung sofort angenommen wird, ist daher unwahrscheinlich. Seien Sie also auf Gegenvorschläge und -arguemnte gefasst und versuchen Sie diesen angemessen zu begegnen. Dabei ist es immer hilfreich, wenn die eigenen Argumente mit innerer Überzeugung und Souveränität vorgetragen werden. Vermeiden Sie unbedingt „Erpressungsversuche“ im Sinne von: „Entweder bekomme ich fünf Prozent mehr Gehalt, oder ich gehe!“ Nur die wenigsten Vorgesetzten werden sich auf derartige Verhandlungsstrategien einlassen.

  

Kleider machen Leute – auch in der Gehaltsverhandlung

Um in der Gehaltsverhandlung selbstsicher auftreten zu können, müssen Sie auch richtig gekleidet sein. Ein gepflegtes Auftreten und gut sitzende Kleidung, in der Sie sich wohl fühlen, hat einen direkten Einfluss auf Sie selbst – und das strahlen Sie auch nach außen aus.

Aber Vorsicht: Übertreiben Sie es nicht! Erscheinen Sie sonst eher lässig in Sakko oder Blazer und Jeans zur Arbeit, sollten Sie in der Gehaltsverhandlung nicht im Anzug oder Business-Kostüm auftreten. Das könnte nur unnötig Verwirrung stiften.

Tragen Sie aber in jedem Fall angemessene Kleidung, in der Sie sich besonders wohl fühlen. Das Lieblingshemd oder die Lieblingsbluse bietet sich für solche Anlässe immer an. 

 

Der Zeitpunkt muss passen 

Den Chef kurz nach dem eignen Urlaub oder – noch schlimmer – direkt nach der Rückkehr aus einer längeren Krankheit nach mehr Geld zu fragen, ist sicherlich keine gute Idee.

Um die Aussicht auf Erfolg zu haben, muss eben auch der Zeitpunkt der Gehaltsverhandlung stimmen. Dabei bieten sich folgende Ereignisse an: 

• Das Jahres- oder Mitarbeitergespräch: Zu diesem Anlass spricht man ohnehin über das zurückliegende Jahr in der Firma, daher darf auch hier gerne die Frage nach mehr Gehalt erörtert werden.

• Nach der Übernahme von mehr Verantwortung: Haben Sie beispielsweise in einem großen Projekt eine Führungsposition übernommen, oder wurde Ihnen die Verantwortung für andere Mitarbeiter übertragen? Sollten Sie das gut gemeistert haben, ist das ebenfalls ein guter Zeitpunkt, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

• Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Projektes: Auch wenn Sie nicht in der Führungsriege dabei waren, ist der Zeitpunkt nach dem erfolgreichen Abschluss eines Projektes auch für Sie günstig. Ihr Vorgesetzter ist nun nämlich bestimmt in einer guten Stimmung und begegnet daher auch Anfragen nach mehr Gehalt wohlwollender.

• Zum Thema Zeitpunkt gehört auch die Bedenkzeit. Unter Umständen hat sich Ihr Vorgesetzter all Ihre Argumente angehört, kann Ihnen aber noch kein abschließendes Feedback geben. Lassen Sie sich daher ruhig darauf ein, wenn er um etwas Bedenkzeit bittet, machen Sie aber einen konkreten Termin aus. Hören Sie bis zu diesem Termin nichts weiter bezüglich einer Gehaltserhöhung von Ihrem Vorgesetzten, können Sie ihn ruhig ansprechen, schließlich haben Sie sich auf diesen Termin geeinigt. 

 

Das gehört unter keinen Umständen in die Gehaltsverhandlung 

Es gibt nicht nur Dinge, die Sie unbedingt in einer Gehaltsverhandlung nennen sollen, sondern auch solche, die unter keinen Umständen in ein derartiges Gespräch gehören.

Dazu zählen alle Gründe, die mit Ihrem Privatleben zu tun haben. Unterhaltszahlungen, gestiegene Mietkosten oder teure Hobbys interessieren Ihren Vorgesetzten nicht – und das ist auch gut so.

In der Gehaltsverhandlung soll es ausschließlich um Ihre Leistung und Ihre Erfolge in der Firma gehen, also belassen Sie es auch bei diesen Fakten.

Ebenso irrelevant für Ihr Gehalt ist das Gehalt eines Bekannten in einer ähnlichen Position, oder gar die Misserfolge eines Kollegen, der sich in Ihrer Gehaltsstufe befindet.

Denn erstens haben diese Dinge wiederum nichts mit Ihnen und Ihrer Arbeit für das Unternehmen zu tun und zweitens kann sich Ihr Chef dadurch angegriffen fühlen. Sie teilen ihm damit nämlich mit, dass es in anderen Unternehmen besser ist, weil dort besser bezahlt wird. Aber nicht nur das: Anscheinend lässt auch seine Personalführung und Personalbeurteilung zu wünschen übrig. Wie sonst könnte ein Mitarbeiter in einer ähnlichen Position wie Sie beschäftigt sein, der derartig schlechte Leistung bringt?

Beides Dinge, die nicht positiv in einer Gehaltsverhandlung ankommen. Unterlassen Sie das also. Das einzige, was Sie damit erreichen ist, dass es eine schlechte Stimmung zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten gibt. Und das ist der denkbar schlechteste Ausgangspunkt für eine Gehaltsverhandlung.


[1] Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, verwenden wir im Text nur die männliche Form. Die Ausführungen und Angaben sind aber nicht geschlechtsspezifisch gemeint, sondern beziehen sich auf Angehörige beider Geschlechter. 

 

Fotoquelle: Fotolia, Urheber: JiSign

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