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Vorstellungsgespräch – Von diesen Tricks lassen wir uns täuschen

Personaler sind auch nur Menschen. Im Vorstellungsgespräch kann das ernste Folgen für den Bewerber haben. Wer sich unbedachter Weise so verhält, das es dem Personaler nicht gefällt, hat schlechte Karten für den Job. Glücklicherweise gilt aber auch der Umkehrschluss: Wer psychologische Tricks für sich zu nutzen weiß, erhöht seine Chancen auf die Stelle.

Der Primär-Effekt: Die ersten Sekunden entscheiden

Aus der psychologischen Forschung wissen wir, dass der Personalentscheider zu einem Urteil über Sie kommt, bevor Sie die erste Frage beantwortet haben. Wir kennen diesen Effekt unter dem treffenden Ausspruch: Man bekommt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck. In der Psychologie ist er unter dem Namen Primär-Effekt bekannt.

Einfach ausgedrückt besagt der Primär-Effekt, dass wir diejenigen Informationen, die wir zuerst von einer Person wahrnehmen, länger speichern. Sie gelangen nämlich schneller ins Langzeitgedächtnis. Der Grund dafür ist einleuchtend: Bei unserem ersten Kontakt mit einer fremden Person haben wir noch keine Informationen über sie. Alles, was wir zunächst über sie erfahren, ist unglaublich wichtig und muss abgespeichert werden. Nur so können wir weitere Informationen zufügen und uns ein Bild dieser Person machen.

Gerade im Vorstellungsgespräch kann der Primär-Effekt daher Fluch und Segen zugleich sein. Wenn Sie es schaffen, den Personaler gleich zu Beginn von sich zu überzeugen, werden die nächsten Minuten für Sie leichter.

Unterläuft Ihnen jedoch in den ersten Sekunden ein Fauxpas, wird es ganz schwer, diesen wieder auszugleichen.

Übrigens ist der Effekt nicht nur auf Ihre Person beschränkt. Wenn Sie eine der ersten Personen sind, die der Personalverantwortliche an diesem Tag spricht, bleiben Sie ebenfalls in guter Erinnerung. Und: Die nachfolgenden Bewerber werden an Ihrem guten Beispiel gemessen.

Was ist das beste Vorgehen, um den Primär-Effekt im Vorstellungsgespräch für sich zu nutzen? Seien Sie sich bewusst, dass schon beim Betreten des Büros jede Ihrer Bewegungen beobachtet und bewertet werden kann. Versprühen Sie also gleich zu Beginn gute Laune und lächeln Sie, was das Zeug hält.

 

Der Rezenz-Effekt – Auch der letzt Eindruck bleibt in Erinnerung

Neben dem ersten Eindruck ist auch der letzte entscheidend. Mit anderen Worten: Mit einem gewinnenden Lächeln und einem guten Start ins Vorstellungsgespräch haben Sie den Job noch nicht in der Tasche – obwohl es ihre Chancen auf eine Zusage steigert.

Auch der kleine Bruder des Primär-Effektes, der Rezenz-Effekt, kann die Wahrnehmung des Personales und damit auch die Art und Weise, wie er Sie beurteilt, beeinflussen.

Dieser Effekt besagt, dass Informationen, die wir am Ende eines Gesprächs aufnehmen, ebenfalls besonders stark in Erinnerung bleiben. Wenn Sie also einen sehr guten Start hingelegt haben, sollten Sie auch darauf achten, zum Schluss noch einmal zu beeindrucken.

Das können Sie beispielsweise so machen, indem Sie zum Abschluss noch eine oder mehrere interessierte Nachfragen parat haben. In der Regel wird Ihnen der Personaler am Ende des Vorstellungsgesprächs nämlich die Gelegenheit geben, eigene Fragen zu stellen oder Anmerkungen zu äußern.

Dieses „Abschlussritual“ wird nicht von allen Bewerbern gemocht. Sollte es aber. Es gibt Ihnen nämlich die Chance, in guter Erinnerung zu bleiben. Bereiten Sie daher in jedem Fall einige Fragen vor, die Sie stellen können, bevor das Gespräch beendet wird. Dazu können Sie beispielsweise auf der Webseite des Unternehmens nachsehen und sich inspirieren lassen. Eine andere Möglichkeit: Sie notieren Stichworte, die Ihnen während des Gesprächs besonders aufgefallen sind und gehen später noch einmal darauf ein. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass Sie dem Personaler damit nicht nur zeigen, dass Sie interessiert am Unternehmen und der Stelle sind, sondern auch, dass Sie aufmerksam dem Gespräch gefolgt sind und sich Ihre eigenen Gedanken machen.

 

Der Halo-Effekt – Nutzen Sie eine bestimmte Eigenschaft

Ein weiterer psychologischer Trugschluss, dem wir alle gerne zum Opfer fallen, ist der sogenannte Halo-Effekt. Damit ist gemeint, dass eine herausstechende Eigenschaft des Bewerbers die anderen Eigenschaften überstrahlt. Halo bedeutet übersetzt nämlich so viel wie Heiligenschein.

Wenn Sie beispielsweise rote Haare haben und der Personaler ebenfalls, könnten Sie schon aufgrund dieser äußeren Eigenschaft einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern haben. Dann zum Beispiel, wenn der Personaler seine Haarfarbe als etwas sehr Positives wahrnimmt. Aber auch, wenn er deswegen in seiner Kindheit gehänselt wurde und nun anderen rothaarigen Personen besonders nachsichtig gegenüber ist.

Wie können Bewerber diesen Effekt nutzen? Versuchen Sie herauszufinden, welche Ihrer Eigenschaften von Ihren Bekannten, Freunden und Familie besonders geschätzt wird. Dieses Merkmal sollten Sie nun besonders kultivieren. Schätzt eine Vielzahl der Personen aus Ihrem Bekanntenkreis diesen Aspekt Ihrer Persönlichkeit positiv ein, stehen die Chancen gut, dass der Personaler das ebenfalls tun wird. Und das kann die Wahrnehmung des Personalentscheiders zu Ihren Gunsten beeinflussen.

 

Der Chamäleon-Effekt – Ein wenig Nachahmung hilft

Wie dieser psychologische Effekt wirkt, verrät schon sein Name. Wenn wir Menschen begegnen, die uns ähnlich sind, stufen wir sie automatisch als sympathisch ein. Der Unterschied zum Halo-Effekt liegt darin, dass wir beim Chamäleon-Effekt die Eigenschaft oder das Merkmal selbst besitzen, während es beim Halo-Effekt auch nur eine Verhaltensweise sein kann, die wir positiv beurteilen.

Der Chamäleon-Effekt beruht auch einem einfachen Trugschluss: Wenn sich die Person so (oder so ähnlich) verhält wie ich auch, dann kann sie kein schlechter Mensch sein – ich bin ja schließlich auch ganz in Ordnung.

Bewerber können diesen psychologischen Effekt für sich nutzen, indem sie die Mimik und Gestik des Personalers übernehmen. Aber bitte: Das darf nicht zu offensichtlich sein. Merkt der Personaler nämlich, dass Sie ihn bewusst nachahmen, kann der Schuss nach hinten losgehen.

Üben Sie vor dem Vorstellungsgespräch mit Freunden und guten Bekannten doch einfach die Situation. Setzen Sie sich gemeinsam an einen Tisch und spielen Sie ein Vorstellungsgespräch durch. Nun versuchen Sie das Sprechtempo und den Körperausdruck Ihres Gegenübers dezent nachzuahmen.

 

Psychologischen Effekte sind kein Freifahrtschein

Natürlich sind alle genannten Effekte keine simplen Wenn-dann-Gleichungen nach dem Muster: Wenn ich eine herausstechende Eigenschaft aufweise, die dem Personaler gefällt, dann habe ich den Job schon in der Tasche.

Derart kausal wirken sie nicht. Bewerber sollten sich also nicht ausschließlich darauf verlassen. Allerdings kann es durchaus nützlich sein, die verschiedenen psychologischen Effekte zu kennen. Nur so kann man sie auch bestmöglich nutzen.

 

 

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