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Gehalt in der Ausbildung

Wer nach der Schule eine Ausbildung anfängt, interessiert sich in der Regel auch für das Gehalt in der Ausbildung (Ausbildungsvergütung) – wie das Azubi-Gehalt auch gerne genannt wird. Tatsächlich gibt es dabei recht große Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen und Berufen. Trotzdem konnten sich in den letzten Jahren alle Azubis über mehr Gehalt in der Ausbildung freuen.

Wieviel verdient man in der Ausbildung?

Die Frage danach, was Azubis in der Ausbildung verdienen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Das dürfte kaum überraschen. Denn nicht nur unterscheidet sich das Gehalt in den verschiedenen Berufen deutlich voneinander. Es kommt auch noch darauf an, in welcher Branche man den Beruf ausübt. Gibt es beispielsweise einen Tarifvertrag, an den sich der Ausbildungsbetrieb halten muss, ist das Gehalt meist höher als in Betrieben, die nicht tarifgebunden sind.

Einen weiteren Einfluss auf das Gehalt hat das Lehrjahr, in dem sich der Azubi befindet. Ältere Auszubildende können bereits eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen und brauchen nicht mehr so viel Unterstützung vom Ausbilder. Damit bleiben (finanzielle) Ressourcen übrig, von denen der Azubi profitieren kann.

Neben dem Tarifvertrag und der Branche spielt aber auch das Bundesland, in dem der Azubi sein Gehalt bekommt, eine Rolle. Denn was auf die Gehälter der Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung zutrifft, stimmt auch bei dem Gehalt in der Ausbildung: Im Westen werden im Schnitt die besseren Gehälter und Löhne gezahlt als im Osten.

Was sich außerdem auf die Höhe des Azubi-Gehalts auswirkt ist folgender Umstand: In der Ausbildung sind die Löhne und Gehälter nicht an den Mindestlohn gebunden. Das hat seine Ursache darin, dass es sich bei einer Ausbildung nicht um ein Arbeitsverhältnis im klassischen Sinne handelt.

Vielmehr stehen Auszubildender und Ausbildungsbetrieb in einem sogenannten Bildungsverhältnis. Das sieht man auch daran, dass der Azubi einen beträchtlichen Teil seiner Ausbildung in der Berufsschule verbringt.

Einen Ausgleich hat der Gesetzgeber aber vorgesehen: Da Azubis mit einem niedrigeren Gehalt auskommen müssen als fertig ausgebildete Fachkräfte, können sie im Gegenzug von niedrigeren Steuern und Sozialabgaben profitieren. Somit bleibt am Ende des Monats mehr Brutto vom Netto übrig.

 

Es hat sich Einiges getan

Azubis konnten in den letzten Jahren von den Entwicklungen am Arbeitsmarkt profitieren. Denn Arbeitgeber leiden nicht nur unter Fachkräftemangel. Auch gute Azubis sind immer schwerer zu finden.

Ein Lockmittel ist das Gehalt in der Ausbildung und so ist in den letzten Jahren die Ausbildungsvergütung kontinuierlich gestiegen. Das zeigen die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). In der Statistik sind zwar „nur“ diejenigen Azubi-Gehälter erfasst, die einem Tarifvertrag unterliegen, trotzdem liefern sie ein gutes Bild der aktuellen Situation.

So ist im Jahr 2018 das Gehalt in der Ausbildung um durchschnittlich 3,7 Prozent gestiegen, wobei der Osten sogar etwas mehr als der Westen profitieren konnte. Insgesamt hat sich an den verschieden hohen Ausbildungsvergütungen in Ost und West aber nicht allzu viel getan.

Man kann jedoch festhalten, dass vor allem in denjenigen Branchen, die besonders damit zu kämpfen haben, gute Azubis zu finden, das Gehalt überdurchschnittlich stark angestiegen ist. Im Jahr 2018 konnten sich daher Azubis

  • zur Reinigungsfachkraft
  • zur Fachkraft in der Gastronomie
  • zur Fachkraft im Lebensmittelhandwerk

ganz besonders über höhere Gehälter in der Ausbildung freuen.

 

Das verdienten Azubis im Jahr 2018

Wenn man nun genau wissen möchte, was Auszubildende im Jahr 2018 in den verschiedenen Ausbildungsberufen verdienen konnte, kann ebenfalls auf der Seite der BIBB Informationen finden. Hier findet man unter anderem Angaben darüber, wie hoch für eine Floristin das Gehalt in der Ausbildung ist oder was ein Automobilkaufmann oder -frau durchschnittlich verdient.

Daraus ergibt sich folgende Top Ten der bestbezahlten Ausbildungsberufe im Jahr 2018:

  1. Maurer (m/w/d) mit durchschnittlich 1.159 Euro
  2. Mechatroniker (m/w/d) mit durchschnittlich 1.068 Euro
  3. Industriemechaniker (m/w/d) mit durchschnittlich 1.082 Euro
  4. Industriekaufmann (m/w/d) mit durchschnittlich 1.047 Euro
  5. Kaufmann (m/w/d) für Versicherungen und Finanzen mit durchschnittlich 1.035 Euro
  6. Verwaltungsfachangestellter (m/w/d) mit durchschnittlich 1.003 Euro
  7. Medientechnologe Druck (m/w/d) mit durchschnittlich 981 Euro
  8. Kaufmann im Einzelhandel (m/w/d) mit durchschnittlich 882 Euro
  9. Medizinischer Fachangestellter (m/w/d) mit durchschnittlich 852 Euro
  10. Gebäudereiniger (m/w/d) mit durchschnittlich 826 Euro

(Quelle: https://www.bibb.de/de/89769.php)

 

Sollte das Gehalt die Ausbildungswahl beeinflussen?

Bei so vielen Informationen über das Gehalt kann man schnell den Eindruck bekommen, dass die Ausbildungsvergütung das wichtigste Kriterium überhaupt ist. Das ist jedoch ein Trugschluss. Azubis, die sich ausschließlich von der Aussicht auf hohes Gehalt leiten lassen, könnten einen großen Fehler machen. Nämlich dann, wenn sie sich nicht an den eigenen Interessen und Vorlieben, sondern nur an der Ausbildungsvergütung orientieren.

Kurzfristig kann mehr Gehalt natürlich schon dazu führen, dass man mit dem Job glücklich ist. Macht man jedoch auf lange Sicht Tätigkeiten, die einem keinen Spaß machen, tröstet auch das gute Gehalt nur noch bedingt.

Langfristig ist die Freude an der Arbeit, der kollegiale Zusammenhalt und die Fairness im Job wichtiger als viel Gehalt. Das natürlich nur, solange das Gehalt in der Ausbildung die Grundbedürfnisse deckt.

Doch auch wenn das Gehalt nicht bis zum Ende des Monats reicht, müssen Azubis nicht sofort verzweifeln und darüber nachdenken, den Beruf zu wechseln. Es gibt Mittel und Wege, wie sie eine niedrige Ausbildungsvergütung aufstocken können.

 

Ausbildungsvergütung reicht nicht: Was tun?

Das erste Mittel der Wahl, falls das Gehalt in der Ausbildung nicht ausreicht, ist ein Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Diese Form der finanziellen Unterstützung kann man beantragen, wenn man sich in einer anerkannten Ausbildung befindet. Dabei ist es irrelevant, ob diese Ausbildung im Betrieb oder außerbetrieblich stattfindet.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  1. Ein Ausbildungsvertrag muss vorliegen. Der Azubi muss nachweisen, dass er oder sie sich überhaupt in einer Ausbildung befindet, bevor BAB beantragt werden kann.
  2. Das eigene Gehalt, das Einkommen der Eltern sowie das Gehalt des Partners oder der Partnerin (sofern vorhanden) muss unter der Förderschwelle bleiben.
  3. BAB kann nur für die erste Ausbildung beantragt werden.
  4. Der Azubi muss in eigenem Wohnraum wohnen. Das gilt auch dann, wenn er oder sie zur Zeit des Antrags noch nicht volljährig ist.
  5. Um BAB zu beantragen, benötigt der Azubi die deutsche Staatsangehörigkeit.

Der Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe wird bei der Agentur für Arbeit gestellt. Auch um vorab Fragen zu klären, sollten sich Azubis, die BAB beantragen wollen, an die zuständige Agentur für Arbeit wenden. Unter Umständen haben die Mitarbeiter noch weitere Tipps, wie Azubis mit einem niedrigen Gehalt gut über die Ausbildung kommen.

 

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